und Schriftsteller auch in Cuxhaven tätig.
Persönlicher Werdegang
Friedrich Ruge wurde zu Heiligabend 1894 in eine Familie von Akademikern
geboren. Der Vater, Oberstudiendirektor Dr. Walter Ruge, (* 1865, † 1963) war
Philologe, Geograph und Gymnasialprofessor in Leipzig, die Mutter war
Martha-Friederike Ruge, geb. von Zahn. Der Großvater, Prof. Sophus Ruge,
geboren in Dorum, war Geograph und Geographiehistoriker sowie Namens-
geber für ein Kap auf Papua-Neuguinea. Sein Onkel, Prof. Dr. med. Reinhold
Ruge, war Marinegeneralarzt. Sein Großonkel war Hofbuchhändler in Dresden.
Auch wenn Friedrich Ruge in Leipzig geboren wurde, lagen die Familienquellen
in Dorum bei Cuxhaven. Er hatte zwei Geschwister. Er besuchte in Leipzig die
renomierte Thomasschule, bekannt durch den Thomanerchor, bis der Vater als
Gymnasialrektor nach Bautzen berufen wurde, wo er seine letzten beiden
Schuljahre verbrachte. Er erlebte nach seinen Worten eine harmonische und
familienbezogene Jugend. Schon früh schloss er sich der Wandervogel-Bewe-
gung an; zeitlebens war er begeisterter Wanderer. Seine zweite Leidenschaft
war das Schreiben. Zu jeder Zeit war er nebenbei, so er Zeit fand, auch schrift-
stellerisch tätig, wie auch andere Marine-Kameraden. Sein Repertoire reichte
von humoristischen Gedichten über teils humorvoll verfasste Erlebnisse oder Begebenheiten hin zu poli-
tischen und militär-historischen Werken (siehe Anhang). Nach dem 2. Weltkrieg wurde er schriftstellerisch in
Bremerhaven als Mitarbeiter im `US-Naval Historical Team´ tätig, das sich der maritimen Komponente im
heraufziehenden Ost-West-Konflikt widmete, sowie bei der Deutschen Marinebund – Zeitschrift „Leinen
los!“. Seiner Wanderleidenschaft entsprechend wurde Ruge später korrespondierendes Mitglied des `Coro-
nelli-Weltbundes der Globusfreunde`.
Ruge heiratet im August 1920 Ruth Greef (* 1897, † 1967), hat 5 Kinder, von denen eines im Alter von 11
Monaten stirbt.
Friedrich Ruge stirbt 90-jährig als hoch geehrter und dekorierter (s. u.) Angehöriger von vier Marinen am 3.
Juli 1985 in Tübingen.
Die Wertschätzung, die Ruge bei den verbündeten Streitkräften genoss, drückt sich u.a. aus in der nach
seinem Tod erfolgten Benennung eines Vortragsraumes in der A. Keith Brewster Science Library in
Wisconsin in "Admiral Ruge Archives".
Dass auch Ruge vom Zeitgeist nicht verschont blieb, zeigen Äußerungen des Autors Ruge. Hier ein
Beispiel: (Libau 1915) "... Gute Stoffe gab es billig, und mancher Seefahrer ließ sich eine schöne neue Uni-
form bauen. Die gesamte Schneiderei lag allerdings in jüdischen Händen, wie überhaupt nahezu alle Zwei-
ge von Handel und Gewerbe, wenigstens alle lohnenden. Damals hatte man die Zusammenhänge der Ras-
senfrage noch nicht genügend erkannt und ließ den Juden weiter verdienen. ..."
Militärischer Werdegang
Bis 1. Weltkrieg
Ruges Werdegang als Mariner beginnt 1912 als 17-jähriger
Abiturient durch eine von seinem Onkel vermittelte Rundfahrt auf
der `S.M.S. Hessen´. Dieses Erlebnis dürfte für ihn die Weichen für
seine Zukunft gestellt haben. So meldet er sich spontan im März
1914 in Flensburg-Mürwig zur Marineschule. Den Ausbruch des I.
WK. erlebt er auf dem Großen Kreuzer `S.M.S. Hertha´. Er
durchläuft als Offizieranwärter jede Stufe der Ausbildung, teils an
Land, teils zur See, belegt diverse Lehrgänge, dient mal an der
Ost-, mal an der Westfront. Sein erstes Kommando erhält er am
24. Dezember 1914 auf dem Leichten Kreuzer `S.M.S. Lübeck´.
`Sein´ Kriegsende erlebt er als traumatisierendes Erlebnis als
Kommandant eines Torpedobootes in Scapa Flow auf den Ork-
neys, als sich dort auf Befehl des Konteradmirals v. Reuter sieben Monate nach Kriegsende der internierte
Kern der Deutsche Marine versenkt. Damit gehen 16 Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, 8 kleine Kreuzer
und 50 Torpedoboote bei strahlendem Sonnenschein und aufgezogenen Kriegsflaggen verloren. "Wir trau-
ten unseren Augen nicht, als die Schiffe plötzlich absackten...", erinnern sich englische Seeleute. "Jauch-
zende und singende Seeleute kletterten aus ihren Rettungsbooten zu uns an Deck..." (Sie hatten mit der
Versenkung 7 Monate `Gefangenschaft´ auf engstem Raum und unter großem Mangel auf den Schiffen hin-
ter sich). Auch englische Schulkinder bejubelten das Schauspiel. Sie hatten die schwimmenden Ungetüme
von einer Barkasse aus besichtigt und "dachten, die Schau sei zu ihrem Vergnügen arrangiert worden", so
ein anderer Zeuge.
Damit geht er mit rund 150 Offizieren und 5.000 Mann Besatzung für weitere 7 Monate in englische Gefan-
genschaft, er in die Lager Oswestry und Donington Hall.
Bis 2. Weltkrieg
Im April 1920 nimmt er wieder den den Dienst in der Reichsmarine auf, unter
anderem als Adjutant beim Kommandeur der Küstenwehrabteilung, studiert
nebenbei abgeordnet einige Semester Schiffbau an der TH Charlottenburg,
belegt Sprachstudien in Englisch und Italienisch und wird zum Minenabwehr-
spezialisten. 1932 wird er Chef der 1. Minensuchflottille, im Juni 1937 Kom-
mandant der Minensuchboote.
Am 1. April 1938 wird Cuxhaven mit der Verlegung der Führung der Minen-
suchboote von Wilhelmshaven nach Cuxhaven unter Fregattenkapitän Fried-
rich Ruge wieder Minensucherstadt.
Mit Beginn des Krieges WK. II wird die Führung der Minensuchboote geteilt in
Ost und West. Ab 24. August 1939 wird in Cuxhaven auf dem Tender JAGD
(M-82) der Stab des Führers der Minensuchboote West errichtet unter Konter-
admiral Strohwasser. Im Oktober 1939, nach dem Ende des Polenfeldzuges,
wird Strohwasser von Kommodore Friedrich Ruge abgelöst bis Februar 1941.
1940 in seinem Amt nach Troville/Frankreich verlegt, unterstehen ihm zusätz-
lich die Flottillen der Räumboote und Sperrbrecher. Am 11. Oktober 1940 be-
kommt er das Ritterkreuz verliehen.
Weitere Aufgaben führen ihn u.a. als Chef des Deutschen Marinekommandos nach Italien, als Admiral bei
der Heeresgruppe B zum Generalstab Rommels und zum Chef des Konstruktionsamtes im Oberkommando
der Kriegsmarine.
Nach Kriegsende
Während seiner Kriegsgefangenschaft in Jabbeke und Zedelghem (Belgien)
bis November 1946 beschäftigt sich Ruge mit der Unterrichtung Deutscher
Mitgefangener in Fremdsprachen. Nach seiner Überführung im Juli 1946 nach
Munsterlager wird er am 30. November entlassen.
Nach seiner Entlassung ist er bis 1949 in Cuxhaven als Englischlehrer und
–dolmetscher mit eigenem Übersetzungsbüro, sowie als Bibliothekar tätig.
Von 1949 bis 1952 verfasst er unter amerikanischer Aufsicht als Mitarbeiter
des `Naval Historical Team´ Aufzeichnungen über seine Erfahrungen als Mari-
nesoldat im Krieg vor allem gegen Russland. Im neu gegründeten Deutschen
Marinebund wird er Organisationsleiter und schreibt für die Verbands-Zeit-
schrift „Leinen los!“. Gleichzeitig engagiert er sich im Verband Deutscher
Soldaten und in der Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise. Von 1952
bis 1954 ist er parteiloser Vorsitzender des Kulturausschusses im Rat der
Stadt Cuxhaven. Nebenbei setzt er verstärkt seine marine-historische schrift-
stellerische Tätigkeit fort.
Am 1. März 1956 tritt er der Bundeswehr bei als Leiter der Abteilung VII (Marine). Am 1. Juni 1957 wird er
als Vizeadmiral zum ersten Inspekteur der Marine ernannt. Damit war er zuständig für die der NATO
unterstellten Marineverbände. Entsprechend seinem Motto: `Erleben - lernen – weitergeben´ legte er das
Hauptaugenmerk auf die Aus- und Weiterbildung des Führungsnachwuchses. Sein Motto hier: `Wir sind
eine Marine mit begrenzten Mitteln aber unbegrenztem Horizont´.
Am 14. Juli 1956 besucht Ruge als Inspekteur der Marine Cuxhaven.
1961 geht Ruge mit 66 Jahren in den Ruhestand. Nachdem er bereits 1954 seinen Wohnsitz nach Tübingen
verlegt hat, erhält Ruge ab 21. Juli 1967 als Lehrbeauftragter an der Philosophischen Fakultät der Universi-
tät Tübingen eine Honorarprofessur für politische Wissenschaften, eine von Theodor Eschenburg geförderte
Stelle. Zusätzlich bekleidet er die Ämter als Präsident des Reservistenverbandes der Bundeswehr, Präses
des Arbeitskreises für Wehrforschung sowie Präsident der Gesellschaft für Wehrkunde.
Seine aufklärerische Tätigkeit, sowohl bereits in englischer Gefangenschaft, als auch anschließend unter
den Amerikanern, und seine dadurch bedingten internationalen Verbindungen, ebnen Ruge nicht nur den
Weg zum Inspekteur der Marine, sondern zur Berufung in den `Himmeroder Kreis´. Dieser bestand aus
einer Anzahl höchster Militärs der Wehrmacht, die, von Konrad Adenauer zusammengerufen, entscheidend
die Gründung der Bundeswehr planten und vorbereiteten. Die Ergebnisse dieser Planung schlugen sich
nieder in der 1950 erstellten geheimen `Himmeroder Denkschrift´. Ruge wirkte hieran für den Bereich der
Marine mit. Ebenso war er beteiligt an den Sondierungsgesprächen im Amt Blank, dem Vorläufer des Bun-
desverteidigungsministeriums. Damit hatte er wesentlichen Anteil an der Gründung der Bundeswehr.
Ruge - tabellarisch
Militärischer Werdegang bis 1945
•
1. April 1914
Eintritt in die Kaiserliche Marine als Seekadett
•
2. April – 10. Mai 1914
Infanterie-Ausbildung an der Marineschule Kiel-Wik
•
Mai – 10. August 1914
S.M.S. „Hertha“
•
11. August – September 1914
S.M.S. „Lothringen“
•
Oktober – November 1914
S.M.S. „Hertha“
•
November – 23. Dezember 1914
Funkerlehrgang an der Marineschule Mürwik
•
Dezember 1914 – Februar 1915
S.M.S. „Lübeck“
•
Februar – 30. November 1915
S.M.S. „Elsass“
•
1. Dezember 1915 – Februar 1916
Navigationslehrgang
•
1. März – April 1916
Torpedofahrlehrgang – Torpedo-Schulhalbflottille
•
Mai – Juni 1916
Fähnrich-Artillerie-Lehrgang auf S.M.S. „Kaiserin Augusta“
•
Oktober 1916 – November 1918
Wachoffizier auf Torpedoboot B 110, 4. Torpedohalbflottille
•
November 1918 – 21. Juni 1919
Kommandant auf Torpedoboot B 112, 4. Torpedohalbflottille
•
21. Juni 1919 – Januar 1920
Britische Kriegsgefangenschaft
•
April – Juni 1920
Küsten-Warnanlage KWA I
•
September 1920 – September 1923
Sperrversuchskommando, Adjutant und Assistent, K M 60
•
Oktober 1923 – September 1924
Küsten-Warnanlage KWA III
•
Oktober 1924 – September 1926
Studium Schiffbau an der Technischen Hochschule Berlin
•
Oktober 1926 – September 1928
KM 136, 1. Minensuchflottille
•
Oktober 1928 – September 1932
Sperrversuchskommando
•
Oktober 1932 – September 1934
Chef 1. Minensuchflottille
•
Oktober 1934 – Mai 1937
3. Admiralstabsoffizier beim Stab des kommandierenden Admi-
rals des Marinekommandos in Kiel, zuständig für Minenwesen
•
Juni 1937 – September 1939
Führer der Minensuchboote
•
September – Oktober 1939
Führer der Minensuchboote Ost
•
Oktober 1939 – 16. Februar 1941
Führer der Minensuchboote West
•
17. Februar 1941 – 17. Mai 1943
Befehlshaber der Sicherung West
•
18. Mai – August 1943
Befehlshaber Marinekommando Italien
•
August – November 1943
Führerreserve
•
November 1943 – August 1944
Admiral bei der Heeresgruppe B -Rommel-
•
August – Oktober 1944
Oberkommando der Wehrmacht - Amt für Schiffbau (zur Verfü-
gung)
•
November 1944 – Mai 1945
Oberkommando der Wehrmacht - Chef des Amtes für Schiffbau
Führungsposten
•
1. Juni 1937
Führer der Minensuchboote
•
1. September 1939
Führer der Minensuchboote Ost
•
15. Oktober 1939
Führer der Minensuchboote West
•
April 1940
zugl. Führer der Kriegsschiffgruppe 10 (Operation Weserübung)
•
17. Februar 1941 - 31. Mai 1943
Befehlshaber der Sicherung West
•
12. März 1943 - 21. Mai. 1943
zugl. Chef des Sonderstabes Tunesien bei der kgl. ital. Marine
•
22. Mai 1943 - 12. August 1943
Befehlshaber des Deutschen Marinekommandos Italien
es folgten einige Stabsstellungen
•
5. März 1956 - 31. Mai 1957
im Verteidigungsministerium als Abteilungsleiter VII Marine
•
1. Juni 1957 - 30. September 1961
Inspekteur der Marine
Beförderungen
•
1. April 1914
Seekadett
•
23. Dezember 1914
Fähnrich zur See
•
13. Juli 1916
Leutnant zur See
•
28. September 1920
Oberleutnant zur See, Patentierung vorbehalten
•
14. Mai 1921
Oberleutnant zur See mit Wirkung und RDA vom 28. September 1920
•
1. Oktober 1925
Kapitänleutnant
•
1. April 1933
Korvettenkapitän
•
1. Januar 1937
Fregattenkapitän
•
1. Januar 1939
Kapitän zur See
•
1. Februar 1940
Kommodore
•
1. April 1942
Konteradmiral
•
1. Februar 1943
Vizeadmiral
•
November 1943
Admiral
•
1. März 1956
Vizeadmiral
Ehrungen
•
26. August 1917
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
•
2. März 1918
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
•
2. Oktober 1936
Dienstauszeichnung der Wehrmacht II. bis IV. Klasse
•
21. Dezember 1936
Olympia-Ehrenzeichen II. Klasse
•
17. Oktober 1939
Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse
•
2. Oktober 1939
Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse
•
15. Februar 1940
Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände
•
11. Oktober 1940
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
•
1. Juni 1958 (60?)
Corona d´Italia - Großoffizierskreuz des Verdienstordens der Republik Itali-
en
•
1961
Kommandeurskreuz der US-Legion of Merit
•
28. September 1961
Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland
Literarische Werke Ruges – auszugsweise
Gedicht:
Labskausch ist ein Seemannsessen, drum den Hering nicht vergessen. / Rinderpökel gibt Gehalt, plus
Kartoffeln, nicht zu alt.
Alles durch den Wolf gedreht, dass es durch die Kehle geht. / Und ´ne Menge Zwiebel macht´s Aroma
garnicht übel.
Mit Spiegeleiern, gut gebraten, stimmt der Kalorienladen. / Dazu noch die roten Rüben...
Verführerisch!...
•
`Ottern und Drachen - Lustige Treibminen auch für Landratten´, Lustige Geschichten und Anekdoten
aus dem Dienst der Minensucher – illustriert, Kleine Feldpost-Reihe, (Verlag Bertelsmann, Gütersloh
1942) vergriffen
•
`Ausgeschlippt! - Neue Folge `Ottern und Drachen´, Kleine Feldpost-Reihe, (Verlag Bertelsmann,
Gütersloh 1943) vergriffen
•
`In vier Marinen - Lebenserinnerungen als Beitrag zur Zeitgeschichte´ (Bernard und Graefe, 1979)
•
`Torpedo- und Minenkrieg´ (J.F. Lehmanns, München/Berlin, 1940)
•
`Entscheidung im Pazifik´ (Dulk Verlag, Hamburg, 1951)
•
`Der Seekrieg 1939-45´ (Franz Koehler-Verlag, Stuttgart 1954, auch übersetzt im Franz. 1955, im
Amerik./Engl. 1957, im Russ. 1957, im Ital. 1961)
•
`Rommel und die Invasion - Erinnerungen´ (KF Koehler Verlag, Stuttgart, 1959, auch übersetzt im Ital.
1963, Franz. 1964, Span. 1964)
•
`Politik, Militär, Bündnis´ (Stuttgart 1963)
•
`Politik und Strategie - Strategisches Denken und politisches Handeln´ (Bernard & Graefe Verlag,
München, 1967)
•
`Scapa Flow 1919 - Das Ende der deutschen Flotte´ (Oldenburg 1969, auch übersetzt im Franz. 1969,
im Engl. 1973)
•
`Küstenvorfeld´ (Bernard & Graefe Verlag, München, 1974)
•
`The Soviets as Naval Opponents´ (Bar Hill/Cambridge 1979, auch übersetzt im Dt. 1981)
Bilder